Die europäischen Sozialpartner des Bankgewerbes haben als erste Branche eine gemeinsame Erklärung zu den Beschäftigungsaspekten künstlicher Intelligenz verabschiedet. Die Botschaft: Innovationen und die Interessen der Beschäftigten stehen gleichermaßen im Mittelpunkt – und den Sozialpartnern kommt eine besondere Rolle zu, beides miteinander in Einklang zu bringen.

Banking 2030: innovativ und menschen- gerecht

Die europäischen Sozialpartner des Bankgewerbes haben als erste Branche eine gemeinsame Erklärung zu den Beschäftigungsaspekten künstlicher Intelligenz verabschiedet. Die Botschaft: Innovationen und die Interessen der Beschäftigten stehen gleichermaßen im Mittelpunkt – und den Sozialpartnern kommt eine besondere Rolle zu, beides miteinander in Einklang zu bringen.

Pressemitteilungen

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2024
Berlin
Banken-Arbeitgeber legen erstes Gehaltsangebot vor

Im zweiten Verhandlungstermin der Banken-Tarifrunde 2024 haben die Arbeitgeber ein erstes Gehaltsangebot vorgelegt. Es sieht eine Erhöhung der Tarifgehälter um insgesamt 8,5 Prozent in drei Stufen bei einer Laufzeit von 36 Monaten vor.

„Unser Angebot ist ein Signal, dass wir zu substanziellen Gehaltserhöhungen bereit sind, wenn die Rahmenbedingungen stimmen“, sagte Dr. Thomas A. Lange, Verhandlungsführer der Banken-Arbeitgeber. Dazu gehöre eine lange Laufzeit, die ausreichend Planungssicherheit biete. Zugleich müssten sich die Gehaltssteigerungen in einem Rahmen bewegen, der das aktuell schwierige Umfeld berücksichtige – insbesondere die herausfordernde Lage der deutschen Wirtschaft, die sich abschwächenden Leitzinsen und unverändert hohe geopolitische Risiken. Dr. Thomas A. Lange: „Als verantwortungsvolle Sozialpartner werden wir wie immer eine Brücke bauen zwischen den berechtigten Interessen der Beschäftigten und der privaten Banken. Unser Angebot ist dazu ein erster Schritt.“

Die Verhandlungen werden am 3. Juli in Frankfurt/Main fortgesetzt.

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2024
Berlin
Banken-Arbeitgeber: Zweistellige Gehaltszuwächse für ein Jahr weit überzogen

Im ersten Verhandlungstermin der Banken-Tarifrunde 2024 haben die Arbeitgeber die Gehaltsvorstellungen der Gewerkschaften Verdi (12,5 Prozent für 12 Monate) und DBV (16,0 Prozent für 24 Monate) als deutlich zu hoch zurückgewiesen. Mit Blick auf die schwache Konjunktur, niedrige Inflationsprognosen und anhaltend hohe geopolitische Risiken seien zweistellige Gehaltszuwächse für ein Jahr weit überzogen. „Angesichts der seit Jahren herausfordernden Rahmenbedingungen wollen wir einen fairen Ausgleich zwischen den Interessen der Beschäftigten und der Banken finden“, sagte Dr. Thomas A. Lange, Verhandlungsführer der Banken-Arbeitgeber. „In dieser Tarifrunde geht es zum einen darum, dass die Beschäftigten angemessen vergütet werden und die Banken attraktive Arbeitgeber sind, zum anderen müssen die Institute wettbewerbsfähig und wirtschaftlich erfolgreich bleiben.“

Die Arbeitgeber verwiesen darauf, dass sich die Branchenlage nach dem aktuellen Zwischenhoch schon bald eintrüben könnte. Dr. Thomas A. Lange: „Wir bewegen uns in einem Umfeld, in dem es so viele und so große Risiken gibt wie lange nicht. Dem müssen und wollen wir Rechnung tragen.“ Die deutsche Wirtschaft stagniere, der erhoffte Aufschwung komme bislang nicht in Fahrt. Die Investitionszurückhaltung der Unternehmen sei alarmierend und führe zu einer schwächeren Kreditnachfrage. Hinzu kämen erhebliche geopolitische Risiken. Eine längere Dauer oder Eskalation des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sowie anderer Konfrontationen hätten erhebliche negative Folgen für die Weltwirtschaft und damit auch für die Banken. Darüber hinaus habe der anfängliche Rückenwind durch die ab Mitte 2022 erhöhten Leitzinsen bereits nachgelassen, das Kreditgeschäft stagniere und der Bedarf an Risikovorsorge werde steigen. Und die Zinswende der Europäischen Zentralbank werde perspektivisch zu sinkenden Zinserträgen führen und damit die wichtigste Ertragsquelle der Banken schmälern.

In diesem Umfeld seien Stabilität und Verlässlichkeit ein hohes Gut. Die Banken-Arbeitgeber appellierten deshalb an die Gewerkschaften, sich in dieser Tarifrunde auf das Kernthema Gehalt zu konzentrieren und dabei Maß zu halten.

Die Verhandlungen werden am 17. Juni 2024 in Berlin fortgesetzt.

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2024
Berlin
Europäische Sozialpartner des Bankgewerbes verabschieden gemeinsame Erklärung zu den Beschäftigungsaspekten künstlicher Intelligenz

Die europäischen Sozialpartner des Bankgewerbes haben am Dienstag als erste Branche eine gemeinsame Erklärung zu den Beschäftigungsaspekten künstlicher Intelligenz (KI) verabschiedet. Darin betonen sie die Notwendigkeit technischer Innovationen ebenso wie Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten bei der Einführung und Anwendung von KI. Die Sozialpartner treten für einen verantwortungsvollen, transparenten und unvoreingenommenen Einsatz von KI ein, der die Letztentscheidung des Menschen respektiert („human-in-control principle“). Darüber hinaus unterstreichen sie die Bedeutung des sozialen Dialogs zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf allen Ebenen, um die Arbeitsbedingungen bei fortschreitender Digitalisierung und der Anwendung neuer Technologien angemessen zu gestalten.  

Die Erklärung wird auf Arbeitgeberseite getragen vom Banking Committee for European Social Affairs (BCESA), das unter dem Dach der Europäischen Bankenvereinigung EBF die Interessen des privaten Bankgewerbes vertritt, sowie den europäischen Spitzenverbänden der Sparkassen und der Genossenschaftsbanken, der European Savings Banks Group (ESBG) und der European Association of Co-Operative Banks (EACB). Für die Arbeitnehmerseite war die internationale Gewerkschaft UNI an den Gesprächen beteiligt. Der AGV Banken, seit 2013 im Vorsitz des BCESA, hat die Arbeiten an der Erklärung federführendbegleitet.

„Diese gemeinsame Erklärung ist die Basis für die Banken-Arbeitswelt der Zukunft, in der sowohl Innovationen als auch unsere Beschäftigten im Mittelpunkt stehen“, sagt Dr. Jens Thau, Stv. Hauptgeschäftsführer des AGV Banken und als BCESA-Chairman Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite. „Mit diesen Leitlinien zum verantwortungsvollen Einsatz von KI stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit der Banken und ihre Attraktivität als Arbeitgeber. “Zugleich sei die Erklärung ein Meilenstein für den sektoralen sozialen Dialog als gelebte branchenbezogene Sozialpartnerschaft auf europäischer Ebene. Dr. Jens Thau: „Das Ergebnis zeigt, dass wir als Banken-Sozialpartner schlagkräftig sind und passgenaue Lösungen für unseren Sektor erarbeiten. Diese Ebene gilt es zu stärken und auszubauen.“

Die aktuelle Erklärung zu den Beschäftigungsaspekten von KI baut auf wichtigen Erklärungen der europäischen Banken-Sozialpartner auf, die in den vergangenen Jahren verabschiedet wurden, etwa zu Telearbeit (2017), den Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigung (2018) und zu Fernarbeit inklusive mobiler Arbeit (2021). Sie stützt sich auf Erkenntnisse aus dem zweijährigen, von der EU-Kommissionfinanzierten Sozialpartner-Projekt „Banking in 2030: Wie werden die aktuellen globalen Trends und insbesondere die künstliche Intelligenz (KI) die Zukunft der europäischen Bankenbranche und ihrer Mitarbeiter prägen?“, das von der Arix Business Intelligence GmbH (vormals Kantar) als Forschungspartnerbegleitet wurde. Unterzeichnet wurde die Erklärung im Rahmen der Abschlusskonferenz des Projekts in Brüssel.

 Die wichtigsten Punkte der gemeinsamen Erklärung im Überblick:

·     Definition von KI: Die Banken-Sozialpartner orientieren sich in ihrer Definition an der europäischen KI-Verordnung (AI Act). Danach sind KI-Systeme unabhängig und daher in der Lage, ohne Menschen Aufgaben auszuführen und Entscheidungen zu treffen; sie sind selbstlernend, also in der Lage, sich selbst etwas beizubringen und sich kontinuierlich zu verbessern; und sie haben Zugriff auf große Datenmengen, aus denen sie selbstständig lernen können.

·     Verantwortungsvoller Einsatz: Die Sozialpartner erkennen die zunehmende Verbreitung von KI im Bankensektor an und befürworten einen verantwortlichen, transparenten und unvoreingenommenen Einsatz, insbesondere bei personalbezogenen Funktionen.

·     Gesundheit und Sicherheit: Die Sozialpartner empfehlen regelmäßige gemeinsame Risikobewertungen von KI mit Blick auf die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz.

·     Ausbildung und Entwicklung digitaler Kompetenzen: Die europäischen Banken-Sozialpartner stimmen überein, dass kontinuierliche Weiterbildung nötig ist, um digitale Kompetenzen in den Belegschaften zu stärken. Sie fordern die Europäische Kommission und die nationalen Regierungen nachdrücklich auf, solche Schulungen zu finanzieren.

·     Digitale Rechte: Bestehende individuelle und kollektive digitale Rechte sollen nach dem Willen der europäischen Sozialpartner auch beim Einsatz von KI weiterbestehen.

·     Überwachung und Bewertung: Die europäischen Banken-Sozialpartner verpflichten sich, die Umsetzung der gemeinsamen Erklärung auf nationaler, auf Branchen- und Betriebsebene kontinuierlich zu überwachen und zu bewerten.

·     Sozialer Dialog: Die Unterzeichner sehen den sozialen Dialog auf allen Ebenen als wirksames und positives Instrument, um Arbeit bei fortschreitender Digitalisierung und beim Einsatz neuer Technologien menschengerecht zu gestalten. Die europäischen Banken-Sozialpartnerverpflichten sich, die Überwachung und Analyse der damit verbundenen Auswirkungen fortzusetzen. So ist zum Ende des aktuellen Arbeitsprogramms 2025/2026 eine umfassende Bewertung vorgesehen, wie die gemeinsame Erklärung umgesetzt wird.

 

 

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Download bank und markt vom 15.04.2024: Interview mit Carsten Rogge-Strang

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Demokratie stärken

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