Studie zu Regulierung und Beschäftigung

Seit 2007 hat sich die Beschäftigungssituation im Bankensektor aufgrund verschiedener Faktoren einschließlich der Finanzkrise 2008, der fortschreitenden Digitalisierung, Marktveränderungen und einem ständig erweiterten komplexen EU-Rechtsrahmen signifikant verändert. Die Europäischen Sozialpartner des Bankgewerbes (UNI Europa Finance, EBF-BCESA, ESBG und EACB) haben sich deshalb in den vergangenen Jahren in einer breit angelegten Studie mit dem Einfluss von Regulierung auf die Beschäftigung im Bankensektor beschäftigt. Nach den Studienteilen 1 und 2, die sich im Schwerpunkt mit dem aktuellen Stand in der Branche beschäftigen, fokussiert sich das aktuelle Teilprojekt (2022 - 2024) darauf, auf Basis weiterer Forschung die beschäftigungspolitischen Megatrends im Zusammenhang mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz im Bereich Personal zu identifizieren und dazu gemeinsame Positionen der Sozialpartner zu entwickeln.

Studie zum Einfluss der Regulierung auf Beschäftigung

Studienteil 1 (bis 2018)

Die erste Phasedieses von der Europäischen Kommission unterstützten Projekts beschäftigte sichmit der Bestandsaufnahme. Der von den Sozialpartnern gewählte Sachverständige(Kantar) übernahm die Aufgabe, den Sozialpartnern durch Einsatzwissenschaftlicher Methoden (eischließlich Experteninterviews) ein aktuellesund akkurates Bild der Situation zu vermitteln, auf dessen Grundlage dieSozialpartner eigene gemeinsame Positionen entwickelten.

Die analysierten Daten zeigen eine Erhöhung des Durchschnittsalters und des Bildungsniveaus der Bankangestellten seit der Finanzkrise 2007/2008. Zugleich lag der Schwerpunkt des Beschäftigungsangebots nach der Krise auf hoch qualifizierten Arbeitskräften, was aus Sicht der Arbeitgeber auf den höheren Regulierungsdruck zurückzuführen ist. Der Trend wird auch durch strengere regulatorische Anforderungen an Personaleinstellungsverfahren verursacht, die die Rekrutierung von Nachwuchskräften erschweren. Die Konkurrenz durch neue Akteure wie FinTechs erhöht den Druck auf die Einstellung von Arbeitssuchenden jüngerer Altersgruppen.

Die Studie errechnete für den Zeitraum von 2007 bis 2016 einen Rückgang der Beschäftigtenzahl im EU-28-Bankensektor um 444.200 Personen. Rückläufig war die Beschäftigung in den Bereichen Verwaltung, Zentrale und Privat- und Geschäftsbanken, Zuwächse gab es in den Bereichen Compliance-, IT- und Asset-Management.

Die Studie zeigt direkte Auswirkungen der Regierungs- und Regulierungspolitik auf die Einstellungsentscheidungen der Banken. Die in der Studie enthaltenen qualitativen Informationen, die von Banken in der gesamten Europäischen Union (bezogen auf die Jahre vor 2017) stammen, weisen auf staatliche Sparmaßnahmen und eine restriktive Fiskalpolitik hin, die sich auf die Beschäftigungspolitik auswirken.

Frauen stellten im Jahr 2018 mit einem Anteil von 54 Prozent weiterhin die Mehrheit der Beschäftigten im EU-Bankgewerbe, in einigen mittel- und osteuropäischen EU-Ländern liegt der Anteil sogar bei 70 Prozent. Teilzeitverträge seien für diese Gruppe besonders attraktiv, so die Studie, was dazu führe, dass ein höherer Prozentsatz der Frauen Tätigkeiten im Bankgewerbe annimmt. Qualitative Daten zeigen, dass dies zum Teil auf die Flexibilität zurückzuführen ist, die der Sektor bei Teilzeitverträgen bietet. Auch das Ausmaß unsichtbarer Beförderungsbeschränkungen („gläserne Decke“) sei rückläufig, da die Branche einen allmählichen Anstieg von (auch teilzeitbeschäftigten) Frauen in höheren Positionen beobachtet.

Unter Berücksichtigung von Daten der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) zeigte sich, dass in 82 Prozent der öffentlich bekannten Fälle interne Umstrukturierungen als Grund für den Stellenabbau in der Finanzbranche (Banken und Versicherungen) zwischen 2007 und 2016 genannt wurden.

Die Ergebnisse zu Teil 1 der Studien wurden am 28. Juni 2018 auf einer Abschlusskonferenz in Brüssel vorgestellt.

Studienteil 2 (bis 2020)

Die zweite Phase der Studie stand unter dem Titel „Die Auswirkungen der Bankenregulierung auf die Beschäftigung: Analyse bewährter Verfahren auf europäischer, nationaler und betrieblicher Ebene und Entwicklung gemeinsamer Ansätze im Rahmen des Europäischen Sozialen Dialogs“.

Der Studienteil kommt zu dem Gesamtergebnis, dass sämtliche beschäftigungsrelevanten Themen mäßig bis stark durch Regulierung beeinflusst werden. Die wichtigsten Auswirkungen zeigten sich in den Bereichen Compliance, Arbeitsinhalte und Arbeitsbelastung. Die Studie zeigt, dass in dieser Phase für die Jahre 2020 bis 2022 (Pandemie und Angriffskrieg auf die Ukraine waren zu dem Zeitpunkt nicht absehbar) die Erwartung einer weiteren negativen Entwicklung der Wirtschaft herrschte, mit Fusionen, Konsolidierung, dem Verlust von Marktanteilen und Stellenstreichungen. Da Fintechs und Digitalisierung auch aus damaliger Sicht große Herausforderungen darstellten und Banken hier wettbewerbsfähig bleiben müsen, wiesen die Sozialpartner auf die Notwendigkeit hin, die für ihre Branche geltenden Regulierungsvorschriften auch international und auch für Bigtech-Unternehmen zur Anwendung zu bringen.

Der Bericht zeigte außerdem einen Anstieg der Kosten für die Geschäftstätigkeit der Banken einschließlich allgemeiner Compliance-Kosten, Kapitalanforderungen und zusätzlicher Compliance-Kosten, die sich aus den gesetzlich vorgeschriebenen Risikoüberwachungspraktiken wie den Anti-Geldwäsche-Regeln ergeben. Dies führe zu einem Druck auf die Erträge, was als einer der Faktoren identifiziert wurde, der zu Kostensenkungen vor allem durch Personalabbau führte, wodurch gerade auch kleinere, lokale Banken nicht selten in eine nachteiligere Wettbewerbsposition gebracht worden seien.

Die Sozialpartner erklärten, dass sie eine stärkere Koordinierung zwischen den verschiedenen am Regulierungsprozess beteiligten Behörden begrüßen würden, die es ihnen ermöglichte, rechtzeitige und inhaltlich weiterführende Stellungnahmen zu künftiger Regulierung abgeben zu können. Damit haben die Sozialpartner die Grundlage für eine neue Form der Zusammenarbeit im Bereich Regulierung geschaffen.

Am 18. November 2020 fand die Abschlusskonferenz zum 2. Teil des Sozialpartnerprojekts zum Einfluss der Bankenregulierung auf die Beschäftigung im Bankgewerbe in Brüssel statt. Zur Pressemitteilung [interner Link zur AGV-Presseinfo vom 19.11.2020]


Studienteil 3 (2022 - 2024)

Nach der Finanzierungszusage der Europäischen Kommission für Teil 3 der Studie haben die Sozialpartner diesen Projektteil Anfang September 2022 auf den Weg gebracht. Ziel dieses Teilprojekts ist nunmehr eine qualitative Analyse, wie sich die aktuellen globalen Trends, insbesondere die Entwicklung von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung, auf die Bankenbranche und ihre Mitarbeiter*innen im kommenden Jahrzehnt auswirken werden. Die Ergebnisse sollen die Diskussionen im sozialen Dialog und die Entwicklung des gemeinsamen Ansatzes der Sozialpartner fördern, der darauf abzielt, zu verstehen, wie Regulierung dazu beitragen kann, diese Auswirkungen abzuschwächen und die Rolle der Sozialpartner in diesem Prozess zu stärken.

Die qualitative Analyse wird in Form von Experteninterviews durchgeführt und in drei speziellen Workshops diskutiert und behandelt (16./17 Februar 2023, 30. Juni/1. Juli 2023, 18./19 Oktober 2023). Auf Grundlage der vom Sachverständigen Kantar erarbeiteten (Zwischen-) Ergebnisse wollen die Sozialpartner gemeinsame Positionen entwickeln. Diese sollen zusammen mit den Ergebnissen des Sachverständigen auf der Abschlusskonferenz des Projekts, voraussichtlich am 24. Mai 2024 in Brüssel, vorgestellt werden.

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