Ausbildung im privaten Bankgewerbe

Die Ausbildungsordnung Bankkaufmann/Bankkauffrau 2020:  Digitaler, transparenter, kunden- und praxisorientierter

Die neue Ausbildungsordnung zum Bankkaufmann / zur Bankkauffrau 2020 macht fit für eine moderne Banken-Arbeitswelt, sie ist ein Meilenstein in der Entwicklung des Bankberufes. Die Ausbildung stellt den Kunden konsequent in den Mittelpunkt und berücksichtigt von Anfang an Aspekte der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt.

Videoclip zur neuen Ausbildungsordnung Bankkaufmann/Bankkauffrau 2020 (Michael Lewandowski, HASPA)

Der klassische Karriereweg in einer Bank beginnt immer noch mit einer Berufsausbildung zum Bankkaufmann / zur Bankkauffrau. Mehr als 60 Prozent aller Berufseinsteiger starten im privaten Bankgewerbe mit einer dualen Berufsausbildung in ihr Berufsleben. Mehr als 20 Jahre nach der letzten Neukonzeption des Ausbildungsberufes haben die Sozialpartner im Jahr 2020 die Berufsausbildung im Bankgewerbe grundlegend reformiert und eine neue Ausbildungsordnung für Bankkaufleute geschaffen, die nicht nur die klassischen bankfachlichen Inhalte aufgreift, sondern auch neue berufliche Kompetenzen in die Ausbildung integriert.

Die Ausbildungsordnungen im Bankgewerbe

Die neue Ausbildungsordnung zum Bankkaufmann/zur Bankkauffrau, die zum Beginn des Ausbildungsjahres 2020 in Kraft treten wird, ist erst die sechste Ausbildungsordnung in mehr als 80 Jahren der geregelten Berufsausbildung im Bankgewerbe (Beginn mit der „Ordnung für die Ausbildung von Lehrlingen in Kreditinstituten“ 1938). Das erste Berufsbild, das den Namen „Bankkaufmann“ trug, wurde 1961 durch das Bundeswirtschaftsministerium anerkannt.

Die vorherige Ausbildungsordnung stammt aus dem Jahr 1998 und hat erstmals den Fokus der Ausbildung auf das Privatkundengeschäft gelegt. Durch ihre offenen Formulierungen und ihren Abstraktionsgrad hat es diese Ausbildungsordnung den verschiedenen Bankengruppen in den zurückliegenden beiden Jahrzehnten ermöglicht, trotz der gravierenden Veränderungen in der Branche bis heute in einem kaufmännischen Beruf mit einem anspruchsvollen Qualifikationsniveau und einem hohen Renommee auszubilden. Durch die immer kürzeren Veränderungszyklen in der Banken-Arbeitswelt ist jedoch deutlich geworden, dass es an der Zeit ist für eine grundlegende Überarbeitung der Ausbildungsordnung.

Das Neuordnungsverfahren Bankkaufleute

In den Jahren 2016/2017 hat sich die Arbeitgeberseite auf Initiative des privaten Bankgewerbes mit dem Kompetenzprofil von Bankkaufleuten und den Inhalten einer Neuordnung des Berufsbildes beschäftigt. Zwischen den Verbänden der Kreditwirtschaft herrschte Einigkeit darüber, dass man den Branchenberuf „Bankkaufmann/Bankkauffrau“ als Monoberuf beibehalten wollte. Auch die Frage einer Änderung der Berufsbezeichnung wurde intensiv diskutiert, aber mit Blick auf den hohen Stellenwert, den der Beruf in den Rankings der verschiedenen Berufe bis heute ein-nimmt, wieder verworfen.

Ziel einer Neuordnung sollte sein, das qualifikatorisch hohe Niveau des Berufes beizubehalten. Die Ausbildung sollte weiterhin die klassischen Geschäftsbereiche eines Kreditinstitutes abbilden und ergänzt werden um gestiegene Anforderungen bei den kundenbezogenen Kompetenzen und neuen Arbeitsformen. Zugleich sollte sie offen sein für neue Geschäftsfelder, Aspekte einer sich digitalisierenden und verändernden Arbeitswelt aufnehmen und sowohl analoge wie digitale Kundenbeziehungen abbilden.

Auf dieser Basis haben die Verbände des Kreditgewerbes im Dezember 2017 mit der Gewerkschaft Verdi die Erforderlichkeit einer Neuordnung und deren mögliche Inhalte diskutiert. Hierbei hat sich schnell herauskristallisiert, dass die Vorstellungen der Sozialpartner so nahe beieinander lagen, dass man sich schon Anfang Juni 2018 auf gemeinsame Eckpunkte einer Neuordnung einigen konnte. Durch die frühzeitige Einbeziehung der Länderseite über die Kultusministerkonferenz (KMK), das BIBB und den DIHK war es möglich, das Antragsgespräch beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als Grundlage der Weisung für den offiziellen Start des Neuordnungsverfahrens schon im August 2018 zu führen. So konnte noch im Dezember 2018 die konstituierende Sitzung der Sachverständigen beim BIBB stattfinden.

Die Zusammenarbeit der Sachverständigen war über die Grenzen der verschiedenen Institutsgruppen und Seiten hinweg konstruktiv und außerordentlich fruchtbar. So wurden von Anfang an Arbeitsgruppen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite gebildet, die mit großem zeitlichen und fachlichen Engagement die Sitzungen vorbereitet und bei der Ausarbeitung und Formulierung neuer beruflicher Kompetenzen echte Pionierarbeit geleistet haben.

Auch die Moderation durch das BIBB und der Input der Vertreterinnen der Ministerien haben dazu beigetragen, dass schon nach der fünften Sachverständigensitzung Anfang Mai 2019 nach viereinhalb Monaten die neue Ausbildungsordnung und der Ausbildungsrahmenplan inhaltlich fertiggestellt waren. Der frühzeitig festgelegte Termin einer sechsten Sitzung der Sachverständigen wurde nur noch für sprachliche Anpassungen benötigt. Auch die parallel tagende Rahmenlehrplankommission konnte ihre Arbeiten am neuen Rahmenlehrplan der Berufsschulen abschließen. Das Ergebnis ist eine moderne, wegweisende Ausbildungsordnung für das gesamte Bankgewerbe, die sicher auch als Vorbild für viele kaufmännische Berife dient.

Die Banken sind moderne Arbeitgeber. Sie bieten eine gute Ausbildung, die auf anspruchsvolle Tätigkeiten in den Instituten vorbereiten. Auch vor dem Hintergrund manch rasanter Entwicklungen in der Branche - eines gilt weiterhin: Es lohnt sich für die geeigneten Absolventen aller Bildungswege, über einen Start bei den Banken nachzudenken.

Wer während der Schulzeit schon einmal einzelne Tätigkeitsfelder kennen lernen möchte, kann unter www.schul-bank.de , einem Angebot des Bundesverbandes deutscher Banken, Informationen abrufen.