Inhalt der Ausbildung zum Bankkaufmann / zur Bankkauffrau
Handlungsorientierung und Kompetenzen

Die wesentlichen relevanten Arbeits- und Geschäftsprozesse des typischen Einsatzbereichs von Bankkaufleuten werden in der Ausbildungsordnung durch die berufsprofilgebenden Berufsbildpositionen (BBP) definiert. Die Ausbildungsordnung ist handlungsorientiert formuliert. Das bedeutet, dass jede Berufsbildposition so formuliert ist, dass sie vollständige berufliche Handlungen darstellt.

Beim Zuschnitt der Berufsbildpositionen wurde darauf geachtet, dass die früher integrativ bzw. übergreifend formulierte Berufsbildpositionen in die berufsprofilgebenden Berufsbildpositionen integrieren. So findet sich zum Beispiel das Modul „Grundlagen der Sozialversicherung“ nicht in einer Standard-Berufsbildposition „Ausbildungsbetrieb“, sondern inhaltlich zugeordnet in der Berufsbildposition „zu Vorsorge und Absicherung informieren“.

Berufsbildpositionen der Ausbildungsordnung 2020

Die Berufsbildpositionen lassen sich grob beschrieben in vier Kategorien einteilen:

1. Berufsbildpositionen, die an klassische Geschäftsfelder anknüpfen,

2. Berufsbildpositionen, die kundenorientierte Schlüsselkompetenzen darstellen und damit nicht mehr nur als „soft skills“ wahrgenommen werden,

3. Berufsbildpositionen, die moderne Arbeitsformen und Arbeitsmethoden vermitteln (Stichwort „agile working“) und

4. Standardberufsbildpositionen (integrativ) , die in jedem Berufsbild vermittelt werden müssen.

Die Ausbuldungsordnung für Bankkaufleute besteht aus 12 berufsprofilgebenden Berufsbildpositionen.

Schlüsselkompetenzen
Mit den Berufsbildpositionen Serviceleistungen anbieten (1), Kunden ganzheitlich beraten (2) und Kunden gewinnen und Kundenbeziehungen intensivieren (3) und der damit verbundenen Darstellung strukturierter Arbeits-prozesse betritt die deutsche Kreditwirtschaft Neuland. Diese Positionen sind ein Meilenstein in der Ausbildungsordnung und formulieren - zusammen mit den eigenständigen kundenbezogenen Kompetenzen - die Schlüsselkompetenzen des neuen Berufsbildes.

Die aufeinander aufbauende Trias „Serviceleistungen anbieten - ganzheitliche Beratung - Neukundengewinnung“ spiegelt den hohen Anspruch der Kreditinstitute an Dienstleistungsbereitschaft und hohe Beratungsqualität wider. Gerade die ganzheitliche Beratung stellt die Kunden, ihre individuelle Situation und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt und bildet die Grundlage für eine nachhaltige Kundenbeziehung. In die neuen Berufsbildpositionen fließen deshalb auch kommunikative, sprachliche, soziale und soziokulturelle Kompetenzen ein, ebenso wie analytische Fähigkeiten, vernetztes Denken und die Fähigkeit, digitale Arbeitsmittel und Methoden im Rahmen beruflicher Handlungen einzusetzen.

Moderne Arbeitsformen
Die Aspekte moderner Arbeitsformen wie agile Arbeit oder Teamarbeit finden sich in der Berufsbildposition „Projektorientiert arbeiten“ (12) sowie in der integrativ zu vermittelnden Berufsbildposition „Prozesse und Wechselwirkungen einschätzen“ (1). Sie zeigen die Wichtigkeit von Methodenkompetenzen bereits in der beruflichen Erstausbildung.

Bankfachliche Kompetenzen
Besonderes Augenmerk wurde auf die Ausgestaltung der Position „Vermögen bilden mit Wertpapieren“ (6) gelegt. Hier ist es wichtig, dass schon in der Ausbildung zum Bankkaufmann/zur Bankkauffrau die Möglichkeit geschaffen wird, die Anforderungen an die fachliche Beraterqualifikation nach dem WpHG in inhaltlicher und zeitlicher Hinsicht erfüllen zu können. Die in § 1 der WpHG-Mitarbeiteranzeigeverordnung enthaltenen erforderlichen fachlichen Kompetenzen finden sich im Ausbildungsrahmenplan und flankierend im Rahmenlehrplan der Berufsschulen.

Den beruflichen Erfordernissen von Bankkaufleuten angepasst wurden die Bereiche Rechnungswesen und Zahlungsverkehr. Angesichts automatisierter Massenprozesse sind vertiefte Kenntnisse im Zahlungsverkehr nur noch in Sonderfällen erforderlich wie beispielsweise im Auslandszahlungsverkehr (insbesondere bei gewerblichen Kunden). Diese Kenntnisse sind nicht mehr prüfungsrelevant. Zudem haben sich die Sozialpartner darauf geeinigt, den Bereich Barzahlungsverkehr - das bezieht auch die Ausbildung an einer Kasse ein - nicht mehr in die Mindestanforderungen der beruflichen Erstausbildung aufzunehmen.

Kenntnisse im Rechnungswesen gehören zu den für eine kaufmännische Ausbildung erforderlichen Fähigkeiten, ihre Bedeutung nimmt jedoch durch die Zentralisierung buchhalterischer Vorgänge ab. Im Bereich der gewerblichen Kunden sind jedoch Grundkenntnisse des Rechnungswesens für die Prüfung der Kreditwürdigkeit erforderlich. Daher wurden Inhalte der alten Berufsbildposition „Rechnungswesen“ in die neuen BBP „an gewerblichen Finanzierungen mitwirken“ (10) und „Instrumente der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle nutzen“ (11) übernommen. Entsprechend wurde auch der Rahmenlehrplan angepasst, der noch zwei Lernfelder (LF) mit Inhalten des Rechnungswesens - LF 7 (Wertströme und Geschäftsprozesse erfassen und dokumentieren) und LF11 (Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern) - enthält. Die Stundenzahl des Berufsschulunterrichts in diesem Bereich wurde von bisher 180 auf 140 Stunden abgesenkt. Zudem ist der Bereich Rechnungswesen nur noch bedingt im Zusammenhang mit beruflichen Kompetenzen prüfungsrelevant, das bisherige eigene Prüfungsfach „Rechnungswesen und Steuerung“ entfällt.